Festnetz-Internet/RTR-Netztest
Zertifizierte Messung
RTR-Netztest: die zertifizierte Messung richtig durchführen
Ein einzelner Speedtest beweist nichts. Drei Messzyklen an drei Tagen innerhalb von zwei Wochen, mit mindestens 18 gültigen Einzelmessungen, dagegen schon. So entsteht die zertifizierte Messung der RTR, und nur sie gilt bei einem Festnetzanschluss als Anscheinsbeweis gegenüber dem Anbieter. Der Aufwand liegt bei rund sechs Stunden, in denen der Computer nichts anderes tun darf.
- 3 Zyklenan drei verschiedenen Tagen innerhalb von zwei Wochen
- 18erfolgreiche Einzelmessungen mindestens, je Zyklus zwei
- 15 Min.Abstand zwischen den Einzelmessungen eines Zyklus
Schnelltest oder zertifizierte Messung
Auf netztest.at stehen zwei Werkzeuge nebeneinander, die gleich aussehen und rechtlich nicht dasselbe sind.
Der normale Test misst rund 20 Sekunden lang Download und Upload, dazu den Ping, und zwar vom eigenen Gerät bis zu den Testservern der RTR. Diese stehen laut RTR in unmittelbarer Nähe des Vienna Internet Exchange, des wichtigsten Internetknotens Österreichs. Das Ergebnis ist eine Momentaufnahme. Die RTR schreibt selbst, dass ein Messwert weit unter der beworbenen Bandbreite „nicht notwendigerweise" bedeutet, dass der Anbieter seinen Vertrag verletzt.
Die zertifizierte Messung beruht auf § 48 TKG 2021. Die Regulierungsbehörde muss danach einen Leistungsüberprüfungsmechanismus anbieten, dessen Ergebnisse „als Anscheinsbeweis" für die Ansprüche aus Artikel 4 Absatz 4 der EU-Verordnung 2015/2120 gelten können. Mit einem solchen Anscheinsbeweis verbessert sich laut RTR die Rechtsposition im Streitfall „erheblich". Ein Screenshot vom Schnelltest leistet das nicht.
| Merkmal | Einzeltest und Wiederholungsmodus | Zertifizierte Messung |
|---|---|---|
| Geräte | Browser, Desktop-App, Android- und iOS-App | nur Computer mit aktuellem Browser, keine Smartphones oder Tablets |
| Dauer | ein Test rund 20 Sekunden je Richtung | mindestens drei Zyklen zu knapp zwei Stunden |
| Angaben zur Person | keine | Name, Messadresse, Angaben und Fotos zur Messumgebung |
| Ergebnis | Testergebnis und Statistik | PDF-Protokoll je Zyklus, zu unterschreiben |
| Beweiswert Festnetz | kein Anscheinsbeweis | Grundlage für einen Anscheinsbeweis |
| Beweiswert Cube mit SIM-Karte | kein Anscheinsbeweis | kein Anscheinsbeweis, zeigt nur die tatsächliche Geschwindigkeit |
Die letzte Zeile ist für Haushalte mit 5G-Cube wichtig. Die zertifizierte Messung lässt sich auch dort durchführen, die RTR stellt aber klar, dass sie bei mobilen Internetlösungen keinen Anscheinsbeweis begründet. Erfasst sind nach derzeitiger Rechtsauslegung DSL inklusive Hybrid, Kabel und Glasfaser. Einen kompletten Ausfall kann die Messung ohnehin nicht belegen, weil dann gar nicht gemessen wird. Dafür gelten die Regeln zur Internet-Störung.
Bevor der erste Zyklus startet
Router, WLAN und Systemeinstellungen beeinflussen das Ergebnis, sagt die RTR. Was in der eigenen Wohnung bremst, geht nicht auf das Konto des Anbieters.
Zuerst den Maßstab heraussuchen. Für Festnetzanschlüsse müssen Anbieter laut RTR vier Werte nennen: die minimale, die normalerweise zur Verfügung stehende, die maximale und die beworbene Geschwindigkeit, jeweils für Download und Upload. Sie stehen in der Vertragszusammenfassung oder der Leistungsbeschreibung des Tarifs. Die beworbene Zahl ist der falsche Vergleich, die beiden unteren sind die richtigen.
- Computer per LAN-Kabel direkt am Modem oder Router anschließen. Die RTR rät von Messungen über WLAN-Repeater und Powerline-Adapter ab.
- Alle anderen Geräte vom Netz nehmen, auch Smartphones der Mitbewohner, Smart-TV und Spielkonsole.
- Energiesparmodus abschalten. Der Computer muss den ganzen Zyklus durchlaufen und darf daneben für nichts anderes verwendet werden.
- Typenbezeichnung von Modem und Router notieren, sie steht meist auf einem Aufkleber am Gerät.
- Fotos der Messumgebung machen: Computer, Kabel, Modem. Sie gehören ins Protokoll und lassen sich auch später nachreichen.
- Den Aufbau zwischen den Zyklen nicht verändern.
Das Datenvolumen ist bei schnellen Leitungen erheblich
Ein einzelner Test überträgt so viel wie möglich. Die RTR nennt rund 50 MB bei 20 Mbit/s und rund 2,5 GB bei einem symmetrischen Gigabit-Anschluss. Bei Festnetzanschlüssen mit Flatrate spielt das keine Rolle, bei einem Tarif mit Volumengrenze schon: Nach einer Drosselung sind laut Anleitung keine aussagekräftigen Messungen mehr möglich.
| Anschluss | pro Test laut RTR | 24 Tests |
|---|---|---|
| 20 Mbit/s | ca. 50 MB | ca. 1,2 GB |
| 1 Gbit/s symmetrisch | ca. 2,5 GB | ca. 60 GB |
Der Ablauf, Zyklus für Zyklus
Gestartet wird über netztest.at/de/ZertMessung. Die Regeln stehen in der Anleitung zur zertifizierten Messung, Stand 19. März 2026.
Im ersten Zyklus fragt das Formular nach Name, Messadresse und der Messumgebung, dazu kommen die Fotos. Für die weiteren Zyklen reichen Name und Adresse. Dann läuft alles automatisch: Einzelmessungen im Abstand von 15 Minuten, ein Zyklus dauert laut Anleitung etwa eine Stunde 45 Minuten, die Startseite der Messung rechnet mit mindestens zwei Stunden. Planen Sie zwei Stunden ein. Das ergibt rund acht Einzelmessungen pro Zyklus.
Wann die Zyklen laufen, ist frei wählbar, solange es drei verschiedene Tage innerhalb von zwei Wochen sind. Die RTR empfiehlt für aussagekräftige Ergebnisse unterschiedliche Tageszeiten, weil die Auslastung über den Tag schwankt. Wer den Mangel vor allem abends erlebt, legt mindestens einen Zyklus genau dorthin. Ein Plan, der das abdeckt:
| Zyklus | Tag | Zeit | Zweck |
|---|---|---|---|
| 1 | Dienstag, Woche 1 | 19:30 bis 21:30 Uhr | Abendspitze, inklusive Fotos und Angaben |
| 2 | Samstag, Woche 1 | 10:00 bis 12:00 Uhr | Vergleich zu ruhiger Zeit |
| 3 | Donnerstag, Woche 2 | 20:00 bis 22:00 Uhr | zweiter Abendwert |
| Reserve | bis Ende Woche 2 | beliebig | falls zu wenige Messungen gültig waren |
Wann die Messung vollständig ist
Zwei Bedingungen müssen gleichzeitig erfüllt sein: insgesamt mindestens 18 erfolgreiche Einzelmessungen und in jedem der drei Zyklen mindestens zwei. Erfolglos ist eine Messung, wenn sie kein Ergebnis liefert, etwa weil die Verbindung abbricht. Wie knapp das werden kann, zeigt die Rechnung:
| Zyklus 1 | Zyklus 2 | Zyklus 3 | Summe | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|
| 8 | 8 | 8 | 24 | vollständig |
| 7 | 6 | 5 | 18 | vollständig, genau an der Grenze |
| 6 | 6 | 5 | 17 | ein weiterer Zyklus nötig |
| 8 | 8 | 1 | 17 | ein weiterer Zyklus nötig, Zyklus 3 hat zu wenige |
Eine instabile Leitung, die immer wieder abreißt, braucht also eher vier oder fünf Zyklen. Die Zwei-Wochen-Frist lässt dafür Platz, wenn der erste Zyklus nicht erst am Ende einer Woche beginnt.
Das PDF sofort speichern. Nach jedem Zyklus steht das Protokoll als PDF zum Download bereit. Die RTR speichert es nicht. Wer den Download vergisst, muss den Zyklus wiederholen, das Ergebnis ist „verloren und nicht wieder herstellbar".
Das Protokoll lesen und unterschreiben
Jedes PDF listet alle Einzelmessungen, eine Zusammenfassung, den Messort, die Angaben zur Umgebung und die Fotos. Damit wird es zum Beweismittel, sobald es unterschrieben ist.
Die RTR verlangt die Unterschrift auf jedem Zyklus-Protokoll, bei drei Zyklen also mindestens drei. Damit wird bestätigt, dass die Angaben stimmen und nach bestem Wissen gemessen wurde. Gerichte und Schlichtungsstelle können laut Anleitung die ausgedruckten, unterschriebenen Dokumente verlangen, wer qualifiziert elektronisch signieren kann, spart sich den Ausdruck.
Die Bewertung selbst nimmt die Messung nicht vor. Sie „stellt Tatsachen fest", ob die Leistung vertragskonform ist, entscheidet die Schlichtungsstelle oder ein Gericht. Für den eigenen Vergleich hilft ein Blick auf die mittlere vertragliche Bandbreite: Bei kabelplus etwa darf die normalerweise verfügbare Bandbreite laut Leistungsbeschreibung höchstens 72 Minuten am Tag unterschritten werden, wie in der Übersicht zur kabelplus-Störung nachzulesen. Liegen fast alle Abendmessungen klar darunter, ist das ein starkes Signal.
Die Ampelfarben sind kein Urteil über den Vertrag
Die farbige Bewertung im Netztest folgt festen, technologieunabhängigen Schwellen der RTR, nicht dem Tarif. Ein grünes Ergebnis bei einem gebuchten 500-Mbit/s-Anschluss kann also trotzdem ein Mangel sein.
| Wert | Dunkelgrün | Grün | Gelb | Rot |
|---|---|---|---|---|
| Download | ab 100 Mbit/s | ab 10 Mbit/s | ab 5 Mbit/s | unter 5 Mbit/s |
| Upload | ab 50 Mbit/s | ab 5 Mbit/s | ab 2,5 Mbit/s | unter 2,5 Mbit/s |
| Ping | bis 10 ms | bis 25 ms | bis 75 ms | über 75 ms |
Mit dem Ergebnis zum Anbieter
Die RTR beschreibt drei Schritte, und die Reihenfolge ist nicht beliebig: erst der Anbieter, dann die Schlichtung.
- Schriftlich beanstanden. Laut RTR wenden Sie sich schriftlich an den Anbieter und übermitteln die Ergebnisse, und zwar zeitnah. Die Beweislast für eine mangelhafte Leistung liegt beim Kunden, genau dafür ist die zertifizierte Messung da.
- Konkret fordern. Als Folge einer nicht vertragskonformen Leistung kommen Entgeltminderung oder außerordentliche Kündigung in Betracht. Wer eine Minderung will, nennt den Betrag, wer aussteigen will, erklärt die Kündigung.
- Schlichtung beantragen. Bleibt eine Lösung aus, nimmt die Schlichtungsstelle der RTR den Fall an. Das Verfahren ist kostenlos, eigene Auslagen wie Porto zahlt man selbst. Die Messung sollte dann möglichst aktuell sein.
Wie eine außerordentliche Kündigung bei den beiden größten Anbietern konkret abläuft und welche Fristen die AGB setzen, steht bei A1 Internet kündigen und Magenta Internet kündigen. Bei A1 ist sie nach den AGB Online-DSL möglich, wenn ein wesentlicher Punkt der Leistungsbeschreibung trotz Aufforderung mindestens zwei Wochen nicht eingehalten wird, bei Magenta nach mindestens 14 Tagen trotz nachgewiesener schriftlicher Aufforderung. Eine zertifizierte Messung über zwei Wochen passt genau in dieses Raster.
Nicht einfach weniger zahlen. Die RTR weist darauf hin, dass der Ausgang eines Schlichtungs- oder Gerichtsverfahrens immer vom Einzelfall und vom konkreten Vertrag abhängt. Wer die Rechnung eigenmächtig kürzt, riskiert Mahnung und Sperre, bevor über die Messung überhaupt entschieden ist. Ob sich ein Wechsel lohnt, zeigen die aktuellen Festnetz-Tarife an der eigenen Adresse.
Häufige Fragen zum RTR-Netztest
Wie lange dauert eine zertifizierte Messung?
Mindestens drei Messzyklen an drei verschiedenen Tagen innerhalb von zwei Wochen. Ein Zyklus dauert laut Anleitung etwa eine Stunde 45 Minuten, die Messseite rechnet mit mindestens zwei Stunden. Insgesamt sind also rund sechs Stunden Messzeit nötig, in denen der Computer nicht anderweitig genutzt werden darf.
Kann ich die zertifizierte Messung mit dem Handy machen?
Nein. Die zertifizierte Messung läuft nur im Browser eines Computers, etwa mit Chrome, Edge oder Firefox. Smartphones und Tablets mit Android oder iOS werden nicht unterstützt. Der normale RTR-Netztest funktioniert dagegen auch als App.
Darf ich über WLAN messen?
Die RTR rät, über LAN-Kabel zu messen, wenn der Computer damit angebunden werden kann. Bei WLAN soll der Abstand zum Access Point möglichst gering sein, Repeater und Powerline-Adapter sind zu vermeiden. Was die eigene Funkstrecke bremst, ist kein Mangel des Anschlusses.
Was passiert, wenn ich das PDF nicht heruntergeladen habe?
Dann ist das Ergebnis dieses Zyklus verloren. Die RTR speichert die Protokolle nicht, der Zyklus muss wiederholt werden.
Gilt die zertifizierte Messung auch für einen 5G-Cube?
Sie lässt sich durchführen und zeigt die tatsächliche Geschwindigkeit. Einen Anscheinsbeweis begründet sie bei mobilen Internetlösungen für Zuhause aber nicht, nur bei DSL, Hybrid, Kabel und Glasfaser.
Kostet die zertifizierte Messung etwas?
Die RTR verlangt für den Netztest kein Entgelt. Kosten kann nur das Datenvolumen verursachen, bei einem Gigabit-Anschluss laut RTR rund 2,5 GB pro Test. Bei Festnetz-Flatrates spielt das keine Rolle. Fragen zur Messung beantwortet die RTR unter netztest@rtr.at.
Stand: Oktober 2026. Angaben aus der Anleitung zur zertifizierten Messung der RTR (Stand 19. März 2026), der Hilfe zum RTR-Netztest auf rtr.at, der Messseite auf netztest.at sowie § 48 TKG 2021.